kdykam

seanaut

Mi, 27. Mai 2026 · 18:00

Studio Hrdinů, Prag

"Können wir die Tiefe verstehen, ohne vorher an der Oberfläche des tiefen Wassers zu verweilen?" – Gaston Bachelard (Wasser und Träume)

Ich bin gerne allein in der Stille mit dem Meer. Oder in Gesellschaft eines anderen, aber in Stille. Auch wenn ich begleitet bin, suche ich einen Moment der Einsamkeit mit dem Meer. Ich gehe. Ich spüre, wie meine Gefühle im Meer ruhig werden, in seiner Gegenwart. Sie beruhigen sich, finden sich in all dieser Unermesslichkeit und Dichte, in dieser Unersättlichkeit. Sie breiten sich darin aus. Ich gebe ihnen Raum vor dem Meereshorizont. Auf den Felsen bewohne ich jenen Rand, von dem ich mich immer aus Angst ferngehalten habe. Auf jedem Felsen, bei jedem Meer finde ich jenen Ort, zu dem ich immer gerne zurückkehre, wo aufgehobene Erinnerungen lebendig werden.

Ich erinnere mich, wie ich ein Fischernetz ins Meer fallen ließ, mediomundo – ein Objekt, das mich faszinierte. Es musste gerade fallen, gleichmäßig, ohne sich zu verwickeln. Ich ließ es ins Wasser fallen und meine Aufmerksamkeit zerstreute sich. Es war faszinierend zu beobachten, wie Wasser aus den Löchern im mediomundo floss und zu wissen, dass ich mich irgendwie mit dem verbinde, was dort unten geschieht, mit dem, was nicht sichtbar ist. Ein Teil des Meeres war für ein paar Sekunden meiner.

Ich nehme mir immer Zeit, bevor ich ins Meer gehe. Ich beobachte es für ein paar gute Stunden. Ich verbringe Zeit am Strand, beobachte Wellen, Strömungen, Wirbel. Tauchen ist für mich eine Weise, wieder aufzutauchen, salir a flote. Es erleichtert mich, schüttelt mich, erneuert meine Vitalität, meinen wilden Geist. Ich liebe es, nachts zu schwimmen, von Felsen in die Tiefe zu springen und zum Strand zurückzuschwimmen. Ich liebe es immer, zum letzten Felsen zu gehen, ganz zum Rand, so weit wie möglich.

"Salir a flote" ist ein spanischer Ausdruck, der Genesung von einer Krise oder schwierigen Situation und das Weitermachen trotz Widrigkeiten bedeutet – Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, sich über Probleme zu erheben.

Carolina Arandia

Carolina Arandia ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die vom Tauchen im Meer fasziniert ist. In ihrer Arbeit erforscht sie verschiedene Arten, Zeit zu erleben, und bewegt sich zwischen Mikro- und Makrosphären der Natur, des Lebens und anderer weniger bekannter Kräfte.

Sie wuchs in Buenos Aires auf, lebt jetzt in Prag und entwickelt ihr Handwerk als Choreografin, Tänzerin und Pädagogin.