Apparat
Studio Hrdinů, Prag
Die Regisseurin und Dramaturgin Katharina Schmitt kehrt nach ihrer Inszenierung "Bericht für eine Akademie" (Studio Hrdinů, 2018) erneut zu einem Text von Franz Kafka zurück. Ihr neues Projekt "Apparat" widmet sich dem Phänomen des Zuschauens, der Beziehung des Beobachters zur Wirklichkeit und seiner Verantwortung für die eigene Perspektive.
Die Inszenierung basiert auf Kafkas Erzählung "In der Strafkolonie". Ein Forscher kommt in eine Strafkolonie und wird zum ersten Mal seit Jahren Zeuge einer Hinrichtung. Ein Offizier, der sich um die Hinrichtungsmaschine kümmert, macht ihn mit dem Ablauf der Hinrichtungen und ihrem Niedergang unter einem neuen Kommandanten vertraut—bis die Maschine steckenbleibt und der Offizier beschließt, den Verurteilten freizulassen, sich selbst in die Maschine zu legen und den Forscher um Hilfe zu bitten. Der Richter wird zum Verurteilten, und die scheinbar unbeteiligte Perspektive des Zeugen wird plötzlich mit unerwarteter Verantwortung belastet.
Die Adaption untersucht mehrere Apparate gleichzeitig: die Hinrichtungsmaschine, den Machtapparat der Strafkolonie und den Apparat des Blicks—die Weisen, in denen Beobachtung selbst in Ereignisse eingreift.
An der Inszenierung wirken mit: Bühnenbildner Pavel Svoboda, Komponist und Sound Designer Christoph Wirth, Kostümbildnerin Patricia Talacko und Dramaturg Ján Šimek. Das Projekt entsteht in internationaler Zusammenarbeit mit JOiN Oper Stuttgart und wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem von der Europäischen Union finanzierten Projekt Culture Moves Europe unterstützt.